Klonfleisch auf dem Teller?
Mittwoch, den 24. Juni 2009Nachdem ich heute etliche Fragen zu der Anpassung der EU-Verordnung für neuartige Lebensmittel gestellt bekam, fasse ich hier nun alle mir bekannten Informationen zusammen. Neuartige Lebensmittel im Sinne dieser EU-Verordnung sind alle, die nach 1996 auf den europäischen Markt kamen. Für Lebensmittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen gibt es eine eigene EU-Regelung.
Die jetzige Anpassung beinhaltet den Verkauf von mit Nanotechnologie veränderten Lebensmitteln und den Verkauf von Fleisch von direkten Nachkommen geklonter Tiere.
Das Aufnehmen von “Klonfleisch” in die EU-Verordnung bedeutet noch nicht, dass es in Europa verkauft werden darf. Dazu muss erst die EU-Lebensmittelagentur Efsa prüfen, ob dieses Fleisch gesundheitlich unbedenklich ist - ein derartiger Antrag liegt der Efsa aber noch nicht vor. Selbst Foodwatch hat keine Bedenken, was den Verzehr dieses Fleischs angeht, fordert aber eine klare Kennzeichnung solcher Produkte. In den USA ist der Verkauf von Klonfleisch schon seit 2008 genehmigt. faz.net
Die deutsche Ernährungsbranche lehnt Klonfleisch ab, da weder Handel noch Verbraucher diese Ware unterstützen würden, schreibt die aerztezeitung.de. Dem kann ich widersprechen, da ich heute bereits mehrfach ein Achselzucken zu dieser Frage bekommen habe: “Wenn es schmeckt, ist es mir egal, wo das Fleisch herkommt”.
Die welt.de hält mit ganz anderen Argumenten dagegen, dass Klonfleisch auf unseren Tellern landet. Da heisst es u.a. dass in erster Linie für Züchter und medizinische Zwecke Tiere geklont werden. Zur Zeit ist die Klontechnik noch weit davon entfernt zur klassischen Tierproduktion zu gehören. Rund die Hälfte der verpflanzten Klonembryonen wächst gar nicht heran. Von fünf heranwachsenden Föten werden durchschnittlich nur zwei geboren, davon stirbt eins noch kurz nach der Geburt. Viel zu viel (kostenspieliger) Aufwand bei zu wenig Ertrag als dass das Klonen zur Fleischproduktion herangezogen werden würde.
Gedanken zur Ethik beim Verzehr von Klonfleisch macht sich Stefan Jacobasch bei scienceblogs.de.
Schade finde ich, dass bei der ganzen Aufregung um (gesundheitlich unbedenkliches) Klonfleisch der zweite Teil der Anpassung der EU-Verordnung, nämlich die mittels Nanotechnologie veränderten Lebensmittel, vollkommen untergeht. Gerade dabei handelt es sich um gesundheitsgefährdende Produkte. Und vielleicht soll genau deshalb beides zusammen genehmigt werden, weil Klonfleisch in den Köpfen der (meisten) Verbraucher eine Ekel- und Abwehrhaltung hervorruft und darüber dann alle Welt spricht, aber wen kümmern schon ein paar Nanopartikel im Essen und was zur Hölle ist das überhaupt.







