Leben hat Gewicht - eine Initiative, die am Alltag vorbei geht
Samstag, den 29. März 2008Welche Massnahmen Ulla Schmidt (Bundesgesundheitsministerin), Ursula von der Leyen (Bundesjugendministerin) und Anette Schavan (Bundesforschungsministerin) ergreifen wollen, um ihre Initiative “Leben hat Gewicht” durchzuführen, schreibt Gesundheitswirtschaft.info. Unter anderem wird von Aufklärungsarbeit über Essstörungen an den Schulen gesprochen.
Aus meiner eigenen Erinnerung weiss ich, wie gelangweilt ich als Jugendliche irgendwelche Vorträge über Aufklärung verfolgt habe. Egal ob es um Drogen, Gewalt, Verhütung oder ähnliches ging. Ob trockene Reden oder abschreckende Bilder und Beispiele unsere Mädchen davon abhalten können, ihrem Model-Ideal hinterher zu jagen, wage ich zu bezweifeln. Selbst wir Erwachsenen nehmen solche Warnungen nicht wahr, wenn wir uns etwas in den Kopf gesetzt haben. Aktuelles Beispiel hier in diesem Blog ist der Trimgel-Wahn: Mit Trimgel abnehmen und Trimgel-Erfahrungsbericht.
Andererseits erinner ich mich auch, dass Oma aus ihrer Schulzeit von einem Fach Hauswirtschaft erzählte. Da wurde u.a. gemeinsam kochen gelernt. Auch an meiner Schule gab es einen Kochkurs auf freiwilliger Basis. Und der war immer übervoll.
Weiterhin sieht die Initiative vor, verschiedene Beratungsangebote zu bewerten, Forschungsprojekte zum Thema Essstörungen durchzuführen und die Selbsthilfe bei Essstörungen zu stärken. Viel Theorie bei einem Problem, dass eigentlich sofortiger praktischer Massnahmen bedarf.
An der Grundschule meines Sohnes wird z.B. das Frühstück gemeinsam während der Unterrichtszeit eingenommen, statt das jeder einzeln mit seinem Brot in der Hand auf dem Pausenhof rumrennt. Allerdings wird hierbei zu wenig auf das Trinken geachtet. Dies wiederum hatte sich die Lehrerin meines zweiten Sohnes zu Herzen genommen und per Elterninitiative organisiert, dass immer ein Kasten Mineralwasser im Klassenzimmer stand und jedes Kind seinen Becher parat hatte.
Im Pausenverkauf jedoch gibt es Brezen und belegte (Weissmehl-)Brötchen. Nur weil das mit einem Salatblatt dekoriert wird, ist das noch kein gesundes Essen. Da lob ich mir die Kita meiner Kleinen. Dort wird jeden Mittwoch ein gemeinsames Frühstück mit viel Müsli, Joghurt und Obst gemacht. Ausserdem gibt es Regeln für die mitgebrachten Brotzeiten. So sind z.B. Süssigkeiten tabu. Schokoriegel und ähnliches müssen wieder mit nach Hause genommen werden.
Im übrigen verwundert es mich arg, dass es an den Schulen kein Mittagessen gibt. Am Gymnasium meines Sohnes geht das soweit, dass er bis 13.00 Uhr Unterricht hat und um 13.30 Uhr schon der Nachmittagsunterricht anfängt. In einer halben Stunde ist es für ihn unmöglich zu schaffen, dass er bis zur G8-Betreuung läuft, dort isst und wieder zurück zur Schule geht. Also muss er zu Fast Food greifen, wenn er nicht hungernd im Unterricht sitzen will. Oder ich muss ihm riesige Brotpakete mitgeben. Sein warmes “Mittag”-Essen bekommt er dann erst um 16.30 Uhr in seiner G8-Betreuung.
Beim Suchen eines Schulhortes für meinen Kleinen fand ich einen Hort, der nicht mal warmes, angeliefertes Essen hatte. Da sollten die Schüler ihr fertiges Essen selber mitbringen und es wurde nur noch in der Mikrowelle aufgewärmt.
Spreche ich heute mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, geben die meisten an, dass sie nicht kochen können. Entweder hat Mama immer alles gemacht oder es gab bereits im Elternhaus Dosenessen.
Bei uns gibt es alle 14 Tage ein Wochenende, wo die Kinder sich ums Mittagessen kümmern müssen. Sie bekommen ein Budget (angelehnt an die Preise für das Essen in Hort und Kita), müssen das Essen aussuchen, Einkaufslisten machen, selber einkaufen und zu Hause auch alles vorbereiten und kochen. Natürlich stehe ich immer mit meinen zwei helfenden Händen zur Seite. Meine Kinder sind 4, 7 und 10 Jahre jung und es macht ihnen (grösstenteils) richtig Spass.
Ich bin mir sicher, dass sich noch ganz viele weitere Dinge finden, die (eigentlich) einfach in der Praxis umzusetzen wären, wenn sich mehr Eltern, Lehrer, Erzieher dazu äussern. Schade, dass die Politik lieber nur den Weg der grauen Theorie einschlägt und Millionen in Studien versenkt, statt endlich anzupacken und etwas praktisches zu tun.








