… das lernt Hans nimmermehr. So lautet ein altes Sprichwort, welches sich leider grad bei der Ernährung unserer Kinder oft genug bewahrheitet. Erst gestern wieder war ich auf einem Stadtteilfest und schaute mir die Besucher an. Die schlanken Kinder tobten am Klettergerüst und rannten wie wild über den Spielplatz. Die fülligeren Kinder saßen an den Tischen und hatten vor sich volle Teller. Hab ich mir das ausgedacht und sind das nur Vorurteile? Leider nicht. Sicher gibt es Ausnahmen, aber dieses Bild hat wohl jeder schon mal auf einem Spielplatz gesehen.
Bereits im Mutterleib wird der Grundstock für das spätere Körpergewicht gelegt. Die Süddeutsche.de schreibt, dass Junkfood während der Schwangerschaft auch die Blutwerte beim Baby für Cholesterin, Glukose und Insulin erhöht. Das wurde an Ratten getestet und lasse sich auch auf den Menschen übertragen.
Schaut man sich in verschiedenen Abnehmforen um, gibt es etliche Frauen, die ihre “Schwangerschaftspfunde” loswerden wollen. Bis zu 30 Kilo Zunahme während einer(!) Schwangerschaft sind da nicht selten. Bei mir lösen solche Zahlen ein Kopfschütteln aus. Schwanger zu sein ist etwas Wunderschönes. Aber es ist kein Freibrief dafür, dass Frau alles in sich reinstopfen kann, wonach es ihr gerade gelüstet.
Dicke Kinder sterben früher. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie norwegischer Forscher, berichtet die Ärztezeitung. Angesichts der knapp 2 Millionen übergewichtigen bzw. adipösen Kinder in Deutschland sollte dieses Ergebnis bei uns Eltern, Erziehern und Politikern die Alarmglocken ganz laut läuten lassen.
Initiativen im kleinen Rahmen und neue Ideen gibt es viele. So setzt eine Klinik auf Usedom Handys ein, mit denen übergewichtige Kinder ihr Ernährungs- und Bewegungsverhalten selbst überwachen können. In Lüneburg und Umgebung gibt es ein einjähriges Projekt zur Verbesserung der Ernährung an Schulen. Eine weitere Aktion starteten sechs Lebensmittelhersteller. Sie stellten 20.000 Frühstücksboxen mit gesundem Inhalt zusammen und verteilten diese an die Schüler/innen von 200 Grundschulen.
Alles lobenswert, aber in viel zu kleinem Rahmen. Die Sache mit den Frühstücksboxen kann übrigens auch nach hinten losgehen. Eine ähnliche Aktion gab es zum Schulstart von meinem Kleinen. Allerdings war der Inhalt nicht wirklich etwas, was Kinder mögen, so dass das Meiste in der Mülltüte landete. Dennoch wird an dieser Schule durchaus auf gesunde Ernährung geachtet und so mancher Elternteil bekommt schon mal einen freundlichen Hinweis zur Gestaltung des Pausenbrotes.
Der Schlankheitswahn geht aber mitunter seltsame Wege. So hat der Verband amerikanischer Kinderärzte vorgeschlagen, bereits Grundschülern cholesterinsenkende Statine zu verabreichen. Dieses stößt bei anderen amerikanischen Kinderärzten auf harsche Kritik. Völlig zu Recht, wie ich finde. Bereits im Grundschulalter den Kindern zu vermitteln, dass Pillen, statt richtige Ernährung und Sport, der richtige Weg zur Traumfigur seien, halte ich für vollkommen daneben.
So schreibt auch das Umweltjournal, dass ausgewogene Ernährung und viel Spiel, Sport, Spaß und Schlaf ausreichend sind, damit Kinder fit, gesund und schlank sein können. Und warnt dabei vor diesen, speziell für Kinder aufbereiteten Präparaten, die das Lern- und Leistungsvermögen steigern sollen.
Trotz aller Veranlagung oder schlechten Ernährungsweisen gibt es, grade für unsere Kinder, Hoffnung. Kinder sind flexibel und können sich leichter umstellen, wenn das Umfeld mitzieht. Die ärztliche Praxis schreibt dazu, dass Therapien bei übergewichtigen Kindern Erfolg haben, vor allem bei stationärer Unterbringung an entsprechenden Einrichtungen.
Hänschen kann noch lernen, wenn Hans es ihm zeigt. GesundheitPro empfiehlt den Eltern mit gutem Beispiel voranzugehen. So zeige ein aktuelle Studie, dass Kinder mehr Obst und Gemüse essen, wenn sie dieses auch ihre Eltern tun sehen.
Das macht auch mehr Sinn, als Aktionen auf Regierungsebene. Diese erwecken bei mir häufig den Anschein, dass nur öffentlich vermittelt werden soll: “Wir kennen das Problem und wir werden etwas tun … in den nächsten Jahren vielleicht.” Was ich von derartigen Initiativen halte, hatte ich u.a. schon hier geschrieben.
Das Umweltjournal berichtet, dass die Europäische Kommission ein Schulobstprogramm vorgeschlagen habe. Die europäische Union stellt jährlich 90 Millionen Euro für den Ankauf von frischem Obst und Gemüse zur Verfügung (für Europa, nicht für Deutschland allein). Es wundert mich nicht, dass dieses im Juli 2008 vorgeschlagene Programm auf Grund einer Verhandlung im Juni 2007 erfolgte (ein Jahr zum Nachdenken?). Und es wird mich auch nicht wundern, wenn der geplante Start für das Schuljahr 09/10 wegen organisatorischer, finanzieller oder sonstiger Schwierigkeiten nochmal verschoben werden oder gar noch eine Studie den Nachweis der Förderlichkeit erweisen muß.
Versteht mich bitte nicht falsch. Es ist toll, dass die EU und unsere Regierung etwas tun will. Aber “tun wollen” wollen sie schon lange. Es muß endlich was passieren. Nicht morgen oder übermorgen oder 2009. Das Problem Übergewicht besteht schon lange und ein geplantes Schulobstprogramm wird daran auch nichts ändern. Um hier wirklich Erfolge zu erzielen, müßte an einigen anderen Stellen was getan werden.
Zum Schluß noch ein Hinweis für Schwangere. Das Abnehm-Portal kilocoach.at bietet nun auch einen Service für Schwangere und Stillende an. Allerdings nicht zum Abnehmen, sondern zur Gewichtskontrolle.