In der Sendung Wissenshunger sah ich letzte Woche ein Vergleichsessen. Ein Profikoch gab zwei Paaren je eine identische Einkaufsliste. Die Paare besorgen entsprechend ihrer Kochgewohnheiten die Zutaten, der Koch bereitet daraus zwei gleiche Gerichte und dann müssen die Paare entscheiden, welches besser schmeckt. Dieses Mal kochte das eine Paar alles selber aus frischen Zutaten. Das andere Paar bevorzugte Fertiggerichte.
Das Ergebnis war für mich schon vorher klar: das mit frischen Zutaten zubereitete Essen war geschmacklich eindeutig besser. Etwas enttäuschend war das Fazit. Da hiess es, wenn es mal was besonderes sein soll oder Freunde zum Essen kommen lohnt sich dieser Aufwand, im Alltag eher nicht. Dafür fehle die Zeit. Und genau das geht mir seit Tagen nicht aus dem Kopf.
Wie war das in meiner Kindheit? Wir hatten eine Wellenradwaschmaschine, die nicht spülen und schleudern konnte. Wäsche waschen war dadurch ziemlich umständlich. Erst das schmutzige Zeug in die Maschine und waschen lassen. Dann in die Schleuder um die Seifenlauge etwas rauszubekommen. Nun in die mit klarem Wasser gefüllte Wanne, ordentlich durchschwenken, zurück in die Schleuder, nochmal in die Wanne mit etwas Weichspüler, wieder schleudern. Nun alleskräftig schütteln und draußen auf der Leine aufhängen. Nach dem Abnehmen wurde alles gebügelt und dann kam die Wäsche in den Schrank. Bei Oma (auf dem Bauernhof) gab es gar keine Maschine. Da gab es einen mit Holz zu befeuernden Waschkessel im Waschhaus.
Für das Geschirr spülen gab es einen Plan, wer von uns Geschwistern wann das Spülen zu erledigen hatte und wer das Abtrocknen.Und wenn wir nachmittags irgendwo hin wollten, mussten wir uns aufs Fahrrad schwingen, auf den Bus warten oder zu Fuß zum Bahnhof gehen. Ein Zweitauto hatten wir nicht und mit dem ersten war Papa unterwegs.
An manchen Wochenenden saßen wir auf der Treppe vorm Haus zum stundenlangen Bohnen schnippeln oder Holunderbeeren abzupfen. Oder wir wurden sehr früh geweckt und fuhren in den Wald zum Pilze suchen und Heidelbeeren pflücken. Wir gingen zur Kirsch- und Apfelernte und zum Erdbeeren pflücken. Mama kochte davon vieles zu Hause ein oder machte Saft davon. Und natürlich wurde unser Essen immer aus frischen Zutaten bereitet.
Bei all dem Aufwand hatte ich nie das Gefühl, das wir zu wenig Zeit für uns gehabt hätten. An vielen Nachmittagen der Woche war ich unterwegs, um meinen vielfältigen Hobbies nachzugehen. An den Wochenenden traf ich mich mit Freunden zum baden oder klettern, ging in die Disco oder zu Feten. Dabei war das kein Gehetze, Terminstress war ein Fremdwort.
Und wie ist das heute? Die schmutzige Wäsche kommt in die Waschmaschine. Von da, bereits fertig gespült und geschleudert in den Trockner. Dieser macht die Wäsche so flauschig und knitterfrei, dass auf das Bügeln größtenteils verzichtet werden kann. Dreckiges Geschirr kommt in den Geschirrspüler und dieser muß dann nur noch ausgeräumt werden. Obst und Gemüse gibt es zu jeder Jahreszeit in Hülle und Fülle in jedem Supermarkt, die Säfte dazu auch schon fertig. Und bei Familien mit Kindern ist das Zweitauto fast schon obligatorisch, damit der Nachwuchs auch wirklich überall rechtzeitig ist.
Eigentlich wird uns das Alltagsleben immer leichter gemacht und wir müssten Zeit im Überfluß haben. Doch das Gegenteil ist der Fall. Wo ich auch hinkomme, wen ich auch treffe, oft heisst es: “Du, sorry, ich hab keine Zeit.” Und dann denke ich an Momo und die grauen Männer. Gibt es die wirklich? Sitzen die irgendwo an einem geheimen Ort und fressen die Zeit in sich hinein?
Wie auch immer. Ich werde mir auch weiterhin einfach die Zeit nehmen und mit frischen Zutaten kochen. Nicht nur, weil es besser schmeckt, sondern weil ich der Ansicht bin, dass es sich für unsere Gesundheit lohnt.
Zugegeben, manchmal stehe ich vor dem Regal im Supermarkt und nehme solch ein Fertiggericht in die Hand. Doch dann lese ich die Inhaltsstoffe und stell es wieder weg. Da sind Sachen drin, die ich nicht mal aussprechen kann und dass soll ich essen?
Mit frischen Zutaten kochen muss nicht immer eine halbe Ewigkeit dauern. Bei mir ist das Essen häufig in 30 Minuten fertig. Nur am Wochenende stell ich mich etwas länger in die Küche. Und wenn meine Kinder ankommen: “Mama, deine Burger sind die besten auf der ganzen Welt!” und alle satt und zufrieden vom Esstisch aufstehen, dann hat sich für mich der Aufwand schon gelohnt.